Weiter steigende Reallöhne in einem robusten Arbeitsmarkt sollten den privaten Konsum zu einer tragfähigen Säule des Wachstums der Eurozone werden lassen. Nachhaltig niedrige Leitzinsen und Fiskalmaßnahmen dürften wiederum Investitionen stützen. In diesem Zusammenhang sind insbesondere das deutsche Ausgabenpaket und die Ausnahme von Verteidigungsausgaben von Fiskalregeln seitens der EU zu nennen. Die Analysten der Erste Group erwarten eine deutliche Beschleunigung des deutschen realen BIP-Wachstums im Jahr 2026. Demgegenüber stehen eine nachlassende Dynamik in Spanien und abklingende Sondereffekte in Irland. Für die gesamte Eurozone wird ein etwas geringeres reales BIP-Wachstum von 1,2 % angenommen.
In Österreich gehen die Analyst:innen der Erste Group für das Jahr 2026 von einem realen BIP-Wachstum von 1,0 % aus, wesentlich getrieben von den deutschen Fiskalmaßnahmen. Diese sollten sich in Exporten und Investitionen bemerkbar machen.
In CEE wird eine weitere Beschleunigung des realen BIP-Wachstums auf 2,7 % für das Jahr 2026 erwartet. 2026 ist das letzte Jahr, in dem Mittel aus der Recovery and Resilience Facility (RRF) in Anspruch genommen werden können. In Polen, Rumänien und Slowenien ist etwa die Hälfte der RRF-Zuschüsse noch nicht ausgezahlt. Auch die Verbraucherstimmung sollte im Großteil der CEE-Länder ihren positiven Trend fortsetzen. Das prognostizierte BIP-Wachstum der Region liegt zwischen 1,0 % für Rumänien, das besonders betroffen von schwächerer privater Nachfrage und Budgetkonsolidierung ist, und 3,9 % für den mehrmaligen Spitzenreiter Polen.
Sahen die Analysten der Erste Group zunächst noch das größte Risiko für jegliches Wachstum im Jahr 2026 in der weiterhin erratischen Handelspolitik der US-Administration, hat sich der Fokus in Richtung des Konflikts im Iran und dem derzeit nur schwer abschätzbaren Einfluss steigender Energiepreise und damit verbundener Zweitrundeneffekte verschoben. Damit einhergehend ergänzen steigende Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Anbieter bei Hochtechnologien und grundsätzlich ein Ausweichen chinesischer Überkapazitäten auf europäische Märkte die Summe möglicher Risiken.
In einer ersten Reaktion auf mögliche Effekte dauerhaft höherer Energiepreise erwartet die Erste Group eine Inflationsrate von 2,2 % für die Eurozone im Jahr 2026. Niedrigere Lohnabschlüsse und das Auslaufen von Basiseffekten bei den Energiepreisen sind wesentliche Schritte zur Begrenzung der Teuerungsrate in Österreich auf einen prognostizierten Wert von 2,5 %. Für CEE wird 2026 eine Inflationsrate von 3,5 % erwartet, wobei auch hier das Risiko in dauerhaft höheren Energiepreisen liegen sollte.